Trends in der Baubranche: Diese Innovationen erwarten uns 2021

Auch wenn die Baubranche nicht gerade zu den wandelbarsten Branchen zählt, hat sich im letzten Jahr einiges getan. Wenn wir uns aktuelle Trends in der Baubranche ansehen, wird schnell klar: Die Digitalisierung schreitet voran. Aber auch andere Themen werden das kommende Jahr massgeblich prägen. Auf welche Trends in der Baubranche wir uns 2021 freuen dürfen.

Digitalisierung bestimmt auch 2021 die Baubranche

Während digitale Lösungen wie CAD-Modelle oder AVA-Software Prozesse in den Leistungsphasen 0 – 7 bereits digitaler und damit effizienter gemacht haben, wird in Leistungsphase 8 noch fast ausschliesslich mit Papier, Klemmbrett und Faxgeräten gearbeitet. Ein entscheidender Grund dafür ist die bisher noch geringe Verbreitung von mobilen Endgeräten: Über 40 % aller Bauunternehmen geben laut einer Umfrage an, dass weniger als die Hälfte ihrer Belegschaft Zugang zu Baustellen-Smartphones und -Tablets haben.

Bei verhältnismässig geringen Anschaffungskosten könnten alle Beteiligten in der Objektüberwachung durch den Einsatz von Smartphones und Tablets viel Zeit und Geld sparen. Eine dänische Studie kam beispielsweise kürzlich zum Ergebnis, dass Bauunternehmen allein durch den Einsatz einer Baudokumentationssoftware bis zu 7 % der gesamten Baukosten einsparen können. Der Einsatz von digitalen Technologien kann demnach dabei helfen, Daten schneller zu erfassen, Prozesse sowie Aufgaben zu automatisieren und den Baufortschritt einfach und rechtssicher zu dokumentieren. Kleine Büros stehen genauso wie grössere Bauunternehmen vor der Herausforderung und der Chance, sich auf eine digitale Zukunft vorzubereiten.

BIM steht in den Startlöchern

Der Top Trend in der Baubranche ist das berühmt berüchtigte BIM. Getrieben durch die öffentliche Hand, ist BIM bereits heute in aller Munde. BIM, kurz für Building Information Modeling, hat das Ziel, die Kollaboration zwischen den verschiedensten Parteien in einem Bauprojekt zu digitalisieren. Dabei schreibt die BIM Methodik vor, mit 3D-Modellen zu arbeiten. Der Einsatz von BIM soll im Wesentlichen die Transparenz und die Planungsgenauigkeit erhöhen. Dass BIM der richtige Weg ist, glauben bereits heute 78 % aller Befragten in der Bauindustrie.

«78 % glauben, dass BIM die Zukunft in der Bauindustrie ist»

Trotz des allgemeinen Bewusstseins, dass BIM die Zukunft in allen Bauphasen ist, findet die Methode in Deutschland in der Praxis bisher kaum Anwendung. Ganz anders sieht es in Ländern wie den USA, Grossbritannien oder Finnland aus. In Deutschland wird die Thematik vor allem durch Institutionen wie das Leonhard Obermeyer Center der TU München getrieben.

Construction Intelligence gewinnt an Fahrt

Mindestens genau so viel Potenzial steckt im Bereich «Construction Intelligence». Construction Intelligence betitelt die Idee, Entscheidungen auf der Basis von Daten statt von Bauchgefühl zu treffen. Mit den faktenbasierten Prozessen sollen zukünftige Entwicklungen und Abläufe besser geplant werden können. Damit sind in der Regel Software-Programme verbunden, die Bauprojekte aktiv von A bis Z begleiten. Von der Personal- und Baustoff-planung, bis hin zur tatsächlichen Durchführung und Bauabnahme – eine Construction Intelligence Software hilft bei der gesamten Bauabwicklung.

Mixed Reality Anwendungen verbessern das Vorstellungsvermögen

Wer sich mit digitalen Zukunftstrends beschäftigt, kommt an Reality-Anwendungen wie der virtuellen oder der erweiterten (augmented) Realität nicht vorbei. Vielleicht hatten Sie sogar schon eine Virtual Reality Brille auf der Nase? In anderen Branchen, wie zum Beispiel der Tourismusindustrie, werden diese Anwendungen schon weitreichend eingesetzt. Jetzt setzt auch die Baubranche auf die visuelle Verschmelzung von Bild und Realität.

In der Baubranche werden VR und AR bisher zwar nur vereinzelt eingesetzt, doch sie haben zweifellos das Zeug zum Bau-Trend des 21. Jahrhunderts. Beim Bau von Einfamilienhäusern ist VR bereits eine gängige Praxis. So sind private Bauherren damit in der Lage, ihre Pläne in 3D-Ansicht zu erkunden und sich so einen realen Eindruck ihres zukünftigen Domizils verschaffen. In dem Effekt, die menschliche Vorstellungskraft zu erweitern, liegt das grosse Potenzial der Technologien zur erweiterten Realität für die Baubranche. Besonders bei einer grossen Anzahl von Beteiligten an einem Projekt, fällt die Vorstellung des Endergebnisses oft schwer. Virtual Reality Programme könnten hier Abhilfe schaffen und alle Beteiligten von Beginn an ins Boot holen. So können Baumängel frühzeitig entdeckt und Gefahrenquellen identifiziert werden. Auf der Bau 2019 waren erstmals Virtual Reality Programme zu sehen.

Bauen 4.0 – here we go

Bauen 4.0 ist der Grundstein für die weiteren digitalen Trends im neuen Jahr. Kurz und knapp bedeutet das nämlich: Die Digitalisierung der Baustelle. Auch wenn in manchen Bereichen der Baubranche digitale Trends bereits angekommen sind, hinken die Baustellen selbst noch weit hinterher. Und das obwohl es mittlerweile zahlreiche individuelle Angebote zur Digitalisierung gibt, die speziell für Baustellen entwickelt wurden. Vom planerischen Entwurf, bis hin zur tatsächlichen Begehung – digitale Möglichkeiten gibt es viele. Diese sparen in der Regel nicht nur Zeit und Kosten sondern auch Nerven. Durch die digitalen Tools und Bauen 4.0 können Daten einfacher, schneller und vor allem sicherer gespeichert und auch entsprechend abgerufen werden. Ein weiterer Pluspunkt ist die Mobilität, da viele Programme ganz easy von unterwegs bedient werden können – per Tablet oder Smartphone. Ihr eigenes kleines Büro können Sie also immer mit auf die Baustelle nehmen.

Weg vom lokalen Speicher, hin zum Cloud Computing

Sie arbeiten bereits mit einer Bauleiter App oder einer App für Architekten? Dann ist eine Cloud-Software für Sie womöglich nichts Neues. Sollten Sie diesen Schritt noch nicht gewagt haben: in Zukunft führt kein Weg am Cloud Computing vorbei.

Wenn Sie vor einigen Jahren eine Software erworben haben, wurde Ihnen mit grosser Wahr- scheinlichkeit eine CD geliefert. Diese haben Sie auf Ihrem PC installiert, mit der Jahreslizenz freigeschaltet und schon ging es los. Bis auf wenige Neuerungen hat sich an der Software im Laufe des Jahres nicht viel geändert. Mit Fehlern und Problemen mussten Sie bis zur nächsten CD warten. Alle Daten, die Sie in dieser Software produziert haben, wurden wie gewohnt auf Ihrem Rechner gespeichert. Freier Speicherplatz hat dabei nahezu den Stand eines Luxusguts bekommen! Mit Cloud Computing sieht die Welt ganz anders aus: Anstatt einer jährlichen Neuerung in Form eines neuen Datenträgers, erwerben Sie eine monatliche Lizenz, die Sie zur Nutzung des Programms berechtigt. Dieses müssen Sie nicht auf Ihrem Rechner installieren – ein einfacher Log-In über die Website mit Ihren Daten genügt. Die Informationen, die Sie in dem Programm speichern möchten, werden auf externen Servern abgelegt. (Achtung: Achten Sie auf hohe Sicherheitsstandards!) Ihre lokalen Kapazitäten werden dabei nicht belastet.

Der Vorteil von Cloud-Software mit dem monatlichen Lizenzmodell: Das Programm wird regelmässig aktualisiert und immer besser. Fehler können schneller identifiziert und behoben werden, neue Funktionen hinzugefügt und die Software an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst werden. Durch das Cloud-Modell bleibt eine Software flexibel und kann jederzeit auf die rasanten Veränderungen der Baubranche reagieren. So geht Bauen 4.0 – definitiv einer der wichtigsten Trends in der Baubranche! Mit Cloud Computing haben Sie Ihre Daten überall griffbereit.

Bauprozessmanagement ist auf dem Vormarsch

Agil und schlank sind die Stichwörter für den nächsten Trend in der Baubranche. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine neues Diätprogramm, sondern um eine Methode zur Baustellenplanung und -organisation. Das sogenannte Bauprozessmanagement beschäftigt sich in erster Linie mit einem prozessorientierten Baustellenablauf. Das bedeutet, dass nicht die Erfahrungswerte bei der Planung im Vordergrund stehen, sondern die Prozesse an sich. Diese werden langsam und Schritt für Schritt mit allen Beteiligten durchgesprochen und geplant. Ausserdem soll dabei der komplette Lebenszyklus des Bauwerks betrachtet werden und das Bauprojekt von Anfang bis Ende geplant sein. Das hat mehrere Vorteile. Zum einen weiss dadurch jeder Beteiligte genau, was bei welchem Arbeitsschritt ansteht. Durch das schrittweise Planen können Missverständnisse untereinander vermieden und somit auch ein reibungsloser Ablauf herbeigeführt werden. Kurz gesagt: Jeder weiss, was er wann zu tun hat! Durch die aktive und zielgerichtete Planung können mögliche Probleme frühzeitig erkannt – und bestenfalls bereits im Vorfeld gelöst werden. Von Anfang bis Ende kann so eine klare Struktur für ein Bauprojekt geschaffen werden.


Nachhaltiges Bauen und alternative Baustoffe

Die Digitalisierung hat neben den bereits aufgezählten Möglichkeiten noch einen entscheidenden Pluspunkt: Sie fördert nachhaltiges Bauen! Leider hinkt die gesamte Branche auch in Punkto Nachhaltigkeit hinterher – es gibt allerdings Hoffnung zur Besserung. Durch digitale Anwendungen schonen Sie nicht nur Ihre Nerven, sondern auch Ihre Papierreserven und Druckerpatronen. Gleichzeitig reduzieren Sie Baumängel, müssen weniger Restleistungen erbringen und verschwenden so weniger Materialien. So gelingt nachhaltiges Bauen ganz nebenbei.

Immer mehr Unternehmen beschäftigen sich mit der Herstellung nachhaltiger Roh- und Baustoffe, wie beispielsweise Fertigteile aus Holz oder Glas. Dazu gehören unter anderem recycelte Kunststoffe, die im Haus- und Wohnungsbau eingesetzt werden können. Aber auch längst in Vergessenheit geratene Rohstoffe sind wieder auf dem Vormarsch und begünstigen nachhaltiges Bauen: Stroh wird mehreren Berichten zufolge erfolgreich als Dämmmaterial im Wohnungs- und Hausbau eingesetzt. Der Rohstoff ist nicht nur 100 % natürlich, sondern auch um einiges umweltschonender als beispielsweise Styropor.

Ein grosser Vorteil der alternativen Baustoffe: Oftmals schonen diese nicht nur das Klima, sondern auch Ihren Geldbeutel. Natürliche beziehungsweise recycelte Materialien sind häufig um einiges günstiger als herkömmliche Baustoffe. So schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: nachhaltiges und kostengünstiges Bauen.

Modulares Bauen

Modulares Bauen spielt nicht erst seit gestern eine Rolle, sondern hat sich in den letzten Jahren konstant in der Baubranche gefestigt. Trotzdem sehen wir Modulares Bauen ganz klar als Bautrend 2021 an. Zuerst muss allerdings die Frage geklärt werden, was Modulares Bauen eigentlich ist. Modulares Bauen ist ein Bauverfahren, bei dem überwiegend vorgefertigte Bauteile verwendet werden. Diese Bauweise kann mit einem Baukasten verglichen werden: Fertigbauteile werden auf der Baustelle wie geplant zusammengesetzt und bilden so die Fassade für das Bauobjekt. So kann es schon einmal vorkommen, dass die Fassade innerhalb eines Tages errichtet werden kann. Aber auch im Innenausbau wird immer öfter auf diese Baumethode zurückgegriffen.

Die Gründe dafür sind einleuchtend: Durch die extrem schnelle Baustellenabwicklung können Kosten und Ressourcen eingespart werden. Man braucht zum Beispiel deutlich weniger Fachkräfte, um die Bauteile zusammenzusetzen. Vor allem aber reduziert sich die Einsatzzeit von Arbeitskräften. Auch klassische Baumaschinen wie Betonmischer oder Drucklufthämmer werden nicht mehr zwingend benötigt. Der Qualität tun all diese Punkte allerdings keinen Abbruch – ganz im Gegenteil. Bei Fertigbauteilen wird öfter auf nachhaltige und natürliche Rohstoffe wie Holz gesetzt. Sowohl in der Industrie, wie auch im privaten Hausbau kann diese effiziente Bauweise angewandt werden. So werden auch 2021 Objekte in Nullkommanix entstehen – wir freuen uns darauf!

Künstliche Intelligenz

Was vor ein paar Jahren noch unter den Bereich Science-Fiction gefallen ist, hält langsam aber sicher in vielen Branchen Einzug: Künstliche Intelligenz. Auch das Bauwesen springt zunehmend auf diesen Zug auf und integriert KI in täglichen Abläufen auf der Baustelle und im Büro. Künstliche Intelligenz bedeutet, dass Maschinen mit dem Ziel programmiert werden, menschliche kognitive Funktionen nachzuahmen. So können diese beispielsweise aus Erfahrungen lernen oder Gefahrenquellen anhand von Bildmaterial erkennen.

Besonders im Bezug auf die Baustellensicherheit birgt die Künstliche Intelligenz viel Potenzial. So können beispielsweise Roboter eingesetzt werden, um unsichere Stellen wie Dächer auf Mängel zu überprüfen. Und auch das Bedienen von Maschinen mit einem gewissen Verletzungsrisiko kann von Robotern mit künstlicher Intelligenz übernommen werden. Bei besonders grossen Bauprojekten kann der Einsatz von Drohnen in Verbindung mit KI viel Zeit und Ressourcen einsparen. Aufnahmen aus der Luft können mit Hilfe der entsprechenden Software automatisch ausgewertet werden. Je nach Programmierung können beispielsweise Schäden und Gefahrenquellen nach Unwettern erkannt werden. So erhalten Sie nicht nur einen weitreichenden Überblick über das Bauareal, sondern auch automatische Markierungen möglicher Risikoquellen. Bei so vielen Vorteilen, ist anzunehmen, dass dieser Trend die Branche noch weit über 2021 begleitet!

Zusammenfassend können wir festhalten: Insgesamt gewinnen auch dieses Jahr alle Innovationen an Relevanz, die die Baubranche der Digitalisierung näher bringen – und das ist auch gut so! Denn mit den zahlreichen digitalen Möglichkeiten für Bauprojekte können Sie nicht nur Zeit und Geld, sonder auch Nerven sparen. Welche Trends in der Baubranche erwarten Sie für das kommende Jahr? Capmo-Tipp: Woran wir gerade arbeiten und welche Funktionen Sie bei Capmo in Zukunft erwarten, sehen Sie in unserem Productboard. Sie haben eine Idee, wie wir Capmo verbessern können? Über das Portal können Sie uns Ihre Vorschläge mitteilen.